Grenze: Nähe und Distanz

Ein Kunstprojekt in Lychen

Im März 2025 fand in Lychen ein einwöchiger Arbeitsaufenthalt von Studierenden der Klasse „Zeichnung und Druckgrafik“ der Muthesius Kunsthochschule Kiel statt, organisiert von Prof. Piotr Nathan in Zusammenarbeit mit Ute Diez und Katharina Jesdinsky. Dieser Aufenthalt gehörte zur seit 2009 bestehenden Seminar-Reihe „Begegnung mit einer Stadt“, bei der Kunststudierende jedes Jahr in eine andere Stadt reisen. Dort setzen sie sich intensiv mit der Geschichte sowie den kulturellen, politischen und sozialen Gegebenheiten des Ortes auseinander und entwickeln daraus vor Ort künstlerische Arbeiten. Eine öffentliche Präsentation schließt jedes Projekt ab.

Frühere Stationen dieser Reihe waren unter anderem Istanbul, Danzig, Sevilla, Florenz, Ljubljana, Marseille, Triest, Militello (Sizilien), Vilnius, Wroclaw und „Schloss Calberwisch“ (Corona bedingt). 2025 war Lychen Gastgeberstadt – mit seiner besonderen Landschaft, der Geschichte der Flößerei und einer Atmosphäre, die Nähe und Distanz gleichermaßen spürbar macht.

Das Kunstwerk „lucky number“ — Anders Prey

Dieses Werk entstand während des künstlerischen Aufenthalts in Lychen. Anders Prey schuf ein Floß aus Holz, für das Bürgerinnen und Bürger der Stadt das Material beigesteuert haben. So wurde schon der Bau selbst zu einem Teil der Geschichte und zu einem sichtbaren Zeichen gemeinschaftlichen Wirkens.

Das Floß besteht aus drei ineinander verschlungenen Siebenen. Sie verweisen auf das Alter der Stadt – 777 Jahre – und zugleich auf ihre sieben Seen. Lackiert in den Grundfarben Gelb, Rot und Blau, stehen die Siebenen für Vielfalt und Wandel, denn aus diesen drei Farben lässt sich jede andere Farbe mischen.

Das Kunstwerk wurde vor Ort entworfen, handwerklich umgesetzt und mit tatkräftiger Unterstützung engagierter Lychener auf einem der Seen verankert, wo es nun seine Kreise zieht und ein lebendiges Zeichen für die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart setzt.

Das Kunstwerk ist über die Beteiligung der Bürger der Stadt erworben worden.

Plan Lychen

Dank

Die Aktivitäten des Arbeitsaufenthaltes der Studierenden in Lychen wurden von Vielen in der Stadt neugierig beschaut und offen interessierend aufgenommen. Die Studierenden sind, auch direkt bei der Arbeit, immer wieder unterstützt worden. Ein großer Dank dafür, auch an die Verwaltung der Stadt zu Händen der Bürgermeisterin Karola Gundlach. Besonderer Dank gilt außerdem: Michaela Ambellau für den einmaligen Auftakt unseres Aufenthaltes mit dem Projekt ihrer „Poesiewegweiser“, dem Ortschronisten Eberhard Kaulich für die Geschichte und die Geschichten der Stadt, der Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung Juliane Primus, für die Einführung in die politische Struktur der Stadt, Petra Kellner für die Idee des Verbleibes der Arbeit „lucky number“ in Lychen und die Organisation der Finanzressourcen für den Erwerb der Arbeit über die Beteiligung der Bürger, dem Flösserverein Lychen vor allem für die „Beherbergung“ der Arbeit „lucky number“ auf dem See – insbesondere Steffen Schöttler für seine fachmännische handwerkliche und freundliche Hilfe, dem Ortskünstler Karl Rätsch für die Welt seiner Kunst und die Welt seiner Gedanken, die sie umhüllen, Lisa Bootz für die inhaltliche und organisatorische Mitarbeit am gesamten Projekt.

Plakat Lychen
Grenze: Nähe und Distanz, 2025